Betrifft: Arktis
- georgunbehaun
- Jan 27, 2024
- 2 min read

Im Lateinischen gibt es eine weitere Steigerung neben Positiv, Komparativ und Superlativ: den Elativ, im Sinne von: sowas von. Das würde zum arktischen Teil von Schweden ganz gut passen. Denn hier ist es winters sowas von bitterkalt. Sowas von! Aber recht schön zum Anschauen. Wenn denn mal Licht da ist.
„Alter Schwede“ - die gibt’s gar nicht. Zumindest nicht 100 Kilometer nördlich vom Polarkreis. Nur junge Leute und junge Touris. Die kommen vor allem aus China und Portugal (warum ausgerechnet Portugal?). Den alten Schweden ist es hier wahrscheinlich einfach zu kalt, und bei zweistelligen Minusgraden gibt auch die beste Heizdecke ihren Geist auf.
Hier ist der besten Freund des Menschen: das Papiertaschentuch. Denn der Riechzinken läuft hier wie ein kaputter Wasserhahn. Nachts kühlt es ab auf rund minus 18 Grad, tagsüber heizt es sich hoch auf 12 Grad, leider immer noch im Minusbereich. Eigentlich ein Wetter, bei dem man den Hund nicht rauslässt. Vor allem, weil er nach einigen Minuten festgefroren wäre.
Die persönliche Einstellung zum eigenen Haarwuchs ist temperaturabhängig: je kälter, desto egal. Das hat zum einen mit den frisurzerstörenden, aber unentbehrlichen Mützen zu tun. Aber auch mit der natürlich verteilten Behaarung, quasi als wärmender Pelz in kritischen Körperregionen.
Urlaub im Land der Lappen, Samen, Rentiere und Elche, das unterscheidet sich ganz markant von Urlauben am Strand oder in den asiatischen Reisfeldern. Es geht schon mal los mit der Kleidung: hier kann man seine Unterwäsche auch gerne mal ein paar Tage hintereinander nicht wechseln, das stört niemanden. Denn ab minus 10 Grad stellt der Körper das Olfaktieren ein. Und wenn er doch weitermacht, dann hat der Gegenüber zu 79,3 Prozent eine zue Nase.
Das gilt übrigens auch für den Gegenüber vom Gegenüber - also man selbst. Ein dauerhafter Erkältungszustand sorgt dafür, dass man durchaus auch minderwertigere Restaurants aufsuchen kann - geschmacklich kommt‘s aufs Gleiche hinaus, und es spart auch noch Kronen.
Polarische Urlaube sind also nichts für ausgeglichene Zeitgenossen, eher etwas für sozial Ausgegrenzte mit dem Hang zum niedertemperaturigen Eremitentum.
Aber vielleicht ist das alles nur mitleidiges Geheule eines weichgespülten mitteleuropäischen Beckenrandschwimmers. Denn wenn man sich erst einmal ein wenig akklimatisiert hat, öffnet sich hier an der Grenze der Zivilisation eine eigene Welt. Und die ist ‚sowas von phantastisch‘.
Angefangen von der endlosen Weite der bergigen Tundra-Landschaft mit ihren 1.001 Seen. Nur ab und zu ein Häuschen in der klassischen schwedischen Hausfarbe zinnoberrot. Und das ganze eingetaucht in sanfte Pastellfarben. Ein himmlisches Farbenspiel von zartem Türkis über wolkenlosem Blau bis zu sanftem Rosa.
Aber das absolute Highlight diese Ecke des Planeten sind natürlich die Polarlichter. Der weltweit beste Ort für die tanzenden Lichtschwaden ist Abisko, zwischen Kiruna und dem norwegischen Narvik (alte deutsche Landser erinnern sich). Denn hier ist der Nationalpark von allen Seiten durch Berge abgeschottet. Denn der größte Feind des Lichtbetrachters sind die Wolken.
Die werden hier abgeschirmt. Und deshalb badet man in einer optischen Orgie aus grünen tanzenden Lichtornamenten von berauschender Schönheit. In einer Affengeschwindigkeit tauchen sie auf - und verschwinden wieder. Ein Schauspiel nicht von dieser Welt.
Selbst bei minus 18 Grad.



Servus Schorsch. Super hast Du die Aurora Borealis wirklich gesehen? Wahnsinn!